Das Versprechen war eindeutig: keine langen Planungsphasen mehr, keine starren Dokumente, keine Trennung zwischen Denkern und Machern. Kleine Schritte, schnelles Feedback, kontinuierliches Lernen.
Was wir bekamen: Sprint-Plannings, die drei Stunden dauern. Backlog-Pflege als Vollzeitbeschäftigung. Zertifizierungsprogramme, die Konformität über Ergebnis stellen. Story-Point-Schätzungen als politisches Verhandlungsinstrument zwischen Teams und Management.
Die Bürokratisierung von Agilität ist kein Implementierungsversagen. Sie ist das vorhersehbare Ergebnis, wenn ein anti-bürokratisches Werkzeug in einem bürokratischen System eingesetzt wird. Das System absorbiert das Werkzeug, nicht umgekehrt.
Der eigentliche Engpass war nie die Methode. Er war der Durchsatz menschlicher Kognition. Menschen können nur so viel Information verarbeiten, so viele Entscheidungen treffen, so viel Code schreiben pro Tag. Scrum optimierte diesen Engpass. Es machte menschliche Arbeit sichtbarer und koordinierter.
KI entfernt diesen Engpass. Wenn Agenten kontinuierlich ausführen können, ohne Planungszyklen, ohne Kapazitätsgrenzen, wird die Methodenfrage nachrangig. Die Frage ist dann nicht mehr: „Welches Framework optimiert unsere Arbeit?" Sondern: „Was sollen Menschen noch entscheiden?"
Für diese Frage hat kein Agile-Framework eine Antwort vorbereitet.
Gedanken dazu? Findet mich auf Bluesky.