Der Bottleneck ist gerade vom Modell zum Human Loop gewandert.

4. August 2026

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Zwei Jahre lang war der Constraint für den Output unseres Teams das Modell. Wart auf ein besseres, erhöh das Token-Budget, liefer schneller. Diese Geschichte ist vorbei.

Der Bottleneck ist jetzt der Mensch, der erklären muss, wie "gut" aussieht. Die Information steckt bereits im Modell. Knapp war die Person im Team, die dem Modell sagen kann, wann der erste Entwurf subtil falsch ist, wann eine kürzere Antwort reichen würde, wann das Problem neu gerahmt werden sollte. Diese Person muss die Domäne tief genug kennen, um Geschmack zu haben - nicht nur Vertrautheit, Geschmack.

Und genau das ist das Problem, denn im letzten Jahrzehnt haben wir in die entgegengesetzte Richtung optimiert. Wir haben ausgelagert. Wir haben unsere Spezialisten dünn gestreut. Wir haben auf Generalisten gesetzt, die jedes Projekt fahren können. Jetzt ist der Constraint dafür, wie viel Wert unser Team aus einem LLM zieht, exakt die Tiefe der Expertise, die wir ein Jahrzehnt lang zurückgeschnitten haben.

Wir können uns nicht mit einem größeren Modell aus diesem Bottleneck rauskaufen. Ein stärkeres Modell mit demselben Operator liefert denselben Output. Wir brauchen bessere Wege, Menschen in unsere agentischen Workflows einzuschleifen. Wenn wir Glück haben, sitzen sie im Nebenraum. Wenn nicht, auf einem anderen Kontinent. Aber wenn unser Ziel ist, gut gemachte Software zu schreiben, die sich immer noch durchdacht gefertigt anfühlt, dann müssen wir genau die eine Person in der Organisation einschleifen, die die Domäne tief genug kennt, um Geschmack zu haben.

Der Bottleneck ist vom Modell zum Human Loop gewandert. Es ist ein zäher Bottleneck, weil wir an drei Fronten gleichzeitig kämpfen:

  1. Operatoren von LLMs wissen nicht, wann es Zeit ist, Menschen einzuschleifen (manchmal wissen sie nicht mal, welche Person in ihrer Organisation eine Domäne tief kennt).
  2. Es fehlen uns die passenden Tools, um Menschen in agentische Workflows einzuschleifen (deshalb habe ich ritualdissent.com gebaut, das ich schamlos zum kostenlosen Ausprobieren empfehle).
  3. Das Org-Chart verhindert, dass Experten aus anderen Teams oder Ebenen eingeschliffen werden (habt ihr schon mal daran gedacht, eine höhere Führungskraft einzubeziehen, mit der ihr nie persönlich gearbeitet habt, weil euch jemand erzählt hat, sie habe vor fünf Jahren ein Projekt abgeschlossen, von dem ihr kaum etwas wisst?).

Veröffentlicht am 4. August 2026 von Bastian Wilhelms. Mehr über mich.

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