Onboarding war schon immer teuer. Ein neuer Entwickler kommt ins Team, verbringt Wochen damit, sich zurechtzufinden, und die Kosten sind weitgehend unsichtbar, weil sie sich auf die Zeit des bestehenden Teams verteilen. Was das erträglich macht, ist, dass jemand im Team den Code gut genug versteht, um ihn erklären zu können.
Genau das bricht gerade still. Wenn Teams mehr Code generieren als sie lesen, erodiert das organisationale Wissen darüber, warum der Codebase so ist wie er ist. Der ursprüngliche Autor hat ihn nicht geschrieben - er hat ihn geprompted. Er hat ihn vielleicht getestet. Er hat ihn mit ziemlicher Sicherheit nicht aufmerksam genug gelesen, um die darin codierten Entscheidungen zu verinnerlichen.
Wenn der nächste Hire kommt und fragt "Warum ist es so strukturiert?", lautet die ehrliche Antwort zunehmend "Ich bin mir nicht sicher." Nicht weil das Team nachlässig ist, sondern weil Verständnis nie der Flaschenhals war, der zählte. Geschwindigkeit war es.
Der Entwickler, der das Feature an einem Dienstagnachmittag gebaut hat, kann beweisen, dass es funktioniert. Ob er es einem neuen Kollegen sechs Monate später erklären, seine Struktur unter Druck verteidigen oder erkennen könnte, wenn eine Änderung eine Annahme verletzt, von der es abhängt - das ist eine andere Frage. Bei KI-generierten Codebasen lautet die Antwort zunehmend nein.
Wir müssen den Zweck von Onboarding in unseren Unternehmen neu denken. Bei sipgate war ich schon immer ein Verfechter der kleinstmöglichen Definition: Onboarding sollte nicht länger als zwei Wochen dauern und auf genau zwei Ziele beschränkt sein: 1) Wie man in dieser spezifischen Organisation etwas erledigt, und 2) Wie unsere Kunden ticken. Beides sind Dinge, die man nie in einem Buch lesen oder in der Schule lernen wird. Das ist ein ziemlich hoher Anspruch. In meiner Vorstellung von optimalem Onboarding hätte technisches Wissen über Codebasen nie enthalten sein sollen. Das sollte irgendwo aufgeschrieben sein - am besten in RfC-Dokumenten. Jetzt, wo die meisten Teams agentisches Coding einsetzen, macht es noch weniger Sinn, all diese Zeit damit zu verschwenden, technische Konzepte in 1:1s zu erklären, die sich bis morgen früh geändert haben könnten - möglicherweise ohne jegliche menschliche Interaktion. Stattdessen ist es Zeit, konsequent auf diese RfCs zu setzen. Und ja - die können auch von einer KI gelesen werden.
Gedanken dazu? Findet mich auf Bluesky.