13. Juli 2026
Deutsch / English
Letzte Woche hatte ich ein kurzes Gespräch mit unserem CFO. Er hat erwähnt, wie unsere Kosten für Agentic Coding steigen, während es kaum Belege dafür gibt, dass die Nutzung tatsächlich zu mehr Gesamtproduktivität führt.
Als ich über seine Worte nachgedacht habe, ist mir etwas klargeworden: Die Agentic-Coding-Tools, die unsere Engineers in den Retros immer wieder loben, sind nicht auf Korrektheit optimiert. Sie sind auf das Gefühl optimiert, dass die Interaktion gut gelaufen ist. Dieses Gefühl ist es, worauf das Produktteam beim Anbieter des KI-Tools vergütet wird, denn genau dieses Gefühl verlängert den Seat im nächsten Quartal. Niemand bei diesem Anbieter wird daran gemessen, ob der Output korrekt war, ob das Feature für irgendeinen unserer Kunden Sinn ergibt oder ob es unseren Umsatz erhöht hat. Sie werden daran gemessen, ob unsere Engineers am nächsten Morgen wiederkommen.
Die Konsequenz zeigt sich in unseren Codebases und in Kundengesprächen lange bevor sie im NPS auftaucht. Das Selbstvertrauen steigt. Der Widerspruch verschwindet. Niemand widerspricht der Zusammenfassung im Ticket, weil die Zusammenfassung so formuliert ist, dass sie Widerspruch leise entmutigt. Das Tool hat unserem Team eine bestimmte Art von Skepsis abtrainiert - und genau diese Art von Skepsis war die, die früher die teuren Fehler abgefangen hat, bevor sie in Produktion gingen.
Wenn ihr in den Tool-Einkauf für euer Team eingebunden seid, ist das hier mein Rat: Die Person, die euch sagt, dass ein Tool großartig ist, könnte diejenige sein, der am konsequentesten geschmeichelt wird. Die Person, die sagt, es sei nervig, könnte diejenige sein, die den Job immer noch macht. Bei Agentic Tools habt ihr eurem Team keinen Kollegen gekauft. Ihr habt einen Spiegel gekauft, der jedem zustimmt, der hineinschaut.
Gedanken dazu? Findet mich auf Bluesky.